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             Marma Chikitsa   

      Marmas  sind  besonders verletzliche Stellen im Körper, die auch mit Energiezentren verglichen werden können. Diese Marmas werden durch das Nadi-System miteinander verbunden. Wenn Marma-Punkte blockiert sind, so können hiervon Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen ausgehen.

 

Marma Chikitsa – zentrale Kraftpunkte im Ayurveda
von Sibylle Michaela  Balkow

Ayurveda ist sehr eng mit der Kalari Tradition (beheimatet in Kerala/Südindien) verbunden, die sich gegenseitig beeinflußt und ergänzt haben. Die geschichtlichen Ursprünge allerdings verschwinden im mythologischen Nebel der indischen Urbevölkerung und können nicht klar dargelegt werden.

Im Kalari vereinen sich die unterschiedlichsten Wissenschaften & Künste, wie Tanz, Musik, Kampfkunst und „Kalari Chikitsa“, die Heilkunst. Einschneidende Ereignisse erlebte die Kultur der Kalaris während der englischen Kolonialzeit, die über mehrere Generationen hinweg die Kalari Kendrams (Zentren) schlossen und unter strengstes Verbot stellten.

Die Kalaris verfüg(t)en über ein ganz besonderes (mystisches) Wissen – dem, um die „Marmas“. Es gibt tausende von Marmas, aber 107 (mancher Gelehrte spricht auch von 108) davon sind ganz besonders verletzbare Stellen, die sich in Gefäßen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Knochen lokalisieren lassen. Heute finden wir häufig die Bezeichnung „Vitalpunkte“, aber eigentlich sind es Kreuz- und Konzentrationspunkte im Körpersystem.
Ursprünglich diente dieses Wissen den Kalari Kriegern, die ein wichtiger Bestandteil der keralischen Gesellschaft zur Sicherung der Grenzen und zum Schutz der Bevölkerung waren, um mit der traditionellen Kampfkunst "Kalaripayattu", ihre Gegner unschädlich zu machen. Wie schon zu damaliger Zeit, wird auch heute noch das Konzept der Kraftpunkte (Marmas) und -linien (Nadis) therapeutisch angewendet. Ist das Marma-Nadi-System im körperlichen oder mentalen Bereich blockiert, kann Krankheit in den Körper Einzug halten. Zu jener Zeit befaßte sich bereits „Sushruta“ (der Begründer der ayurvedischen Chirurgie) mit der Wichtigkeit dieser Punkte, um sie z.B. bei Operationen zu umgehen bzw. nicht zu verletzen. Auch der Modetrend „Piercing“ sollte von dieser Seite her kritisch betrachtet werden. Wobei darauf aufmerksam gemacht sei, daß an manchen Stellen durchaus auch eine positive Wirkung auf den Körper ausgelöst werden kann.

Oft ist „Marma Chikitsa“ unter der sog. Vitalpunktmassage bekannt, aber dieses Konzept ist wesentlich weitreichender. Auf der körperlichen und seelischen Ebene werden dem Körper bestimmte Marmas und "Koshas" (Körperhüllen) zugeordnet. Die grobstoffliche, physische Hülle, wird aus Nahrung gebildet und kann im weitesten Sinne auch als Hülle für den Stütz- und Bewegungsapparat gesehen werden. Die anderen Hüllen stehen für den feinstofflichen, energetischen - seelischen Aspekt unseres Seins.

Unsere 5 Körperhüllen stehen in ständiger Kommunikation miteinander. Ein stetiger Fluß durchzieht ein komplexes Netzwerk verschieden stofflicher Bahnen, dem Nadi-System, man könnte ihn auch als Fluß der Lebenskraft bezeichnen. Ist dieser Fluß irgendwo im Körper blockiert, so werden auch die Marmapunkte Blockaden aufbauen. Ursächliche Faktoren für blockierte Marmapunkte sind neben einer ganzen Reihe physiologischer, körperlicher Faktoren auch emotionaler Streß, wie schmerzliche Erinnerungen - auch im Zusammenhang mit der Familie oder den Ahnen.

Da Ayurveda den menschlichen Körper stets auf ganzheitlicher Ebene betrachtet, gibt es auch viele Möglichkeiten, mit der Marma Chikitsa den Einklang im Körper wieder herzustellen oder beizubehalten. Hierfür werden Massagen, Kräuterbeutel & -auflagen, sowie bestimmte Körperübungen & -techniken eingesetzt. Auch das erforschen und lösen von alten, emotionalen Verletzungen, die Lösung von Konflikten, Veränderung der inneren Haltung, etc.  spielen für den emotionalen Körperte Rolle.